Erstellt am Donnerstag, 14. März 2013 10:37
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Planänderung
10.05.13
Jajaaaa! habe gerade meinen Bericht übers Volunteering überflogen und da hat sich seither doch einiges geändert. Schwierig zu erklären und zu beschreiben.
Bereits in der zweiten Woche im Waisenhaus fühlte ich mich irgendwie nicht ganz wohl. Das Gefühl von gebraucht werden wollte sich hier, im Gegensatz zur Fundation pro Integration, nicht richtig einstellen.
Jeden Morgen, wenn ich kam, gingen Isolde (die Lehrerin) und ich je nach Tag mit 5 - 15 Kindern ins Klassenzimmer. Mir war es meist zu laut, da ein riesen Geschrei herrschte und alles unorganisiert war. Alle Kinder machten irgendetwas, meist rumrennen oder Dinge rumwerfen (speziell gern auch aus dem Fenster). Ich weiss nicht, ob es Isolde nicht störte, ob sie es sich einfach machen wollte oder ob sie einfach nicht wusste, was tun. Ich malte täglich mit den Kindern oder konnte ab und zu bei Nachfrage mit einigen Kindern raus zum Spielen. Jetzt, heute, nach meinem letzten Tag (ich nehme vorweg, dass ich bereits aufgehört habe) sehe ich das Ganze wieder anders. Isolde hat anscheinend drei Berufe, ob sie die wirklich gelernt hat oder einfach ausübt, weiss ich nicht (Friseurin, Masseurin und Lehrerin). Täglich nach dem Waisenhaus geht sie als Masseurin arbeiten, um sich das Gehalt aufzubessern, was echt krass ist. Auch ihre Arbeit im Waisenhaus änderte sich täglich: von Lehrerin zur Köchin, heute hat sie Kleider gewaschen. Je nachdem wer fehlt.
Ich bin mir noch immer nicht im Klaren, ob Personalmangel herrscht, ob die Organisation besser sein könnte oder ob man den Weg des geringsten Widerstands geht.
Die Kinder sitzen meist vor dem Fernseher. Beschäftigt im Sinn von 'ich spiele mit dir' passiert wenig bis gar nicht. Ich habe mich eingesetzt und konnte dann täglich mit einigen draussen spielen.
Natürlich ist momentan auch noch eine etwas spezielle Situation im Waisenhaus, da durchgehend alle Kinder Windpocken haben oder hatten, so dass das Personal verteilt werden muss und die Kinder getrennt werden müssen.
Nun zurück zu meiner Entscheidung. Die Vormittage waren, wie erwähnt, meist laut und chaotisch und ich hatte alle Hände voll zu tun, da ich es irgendwie gerne strukturierter hatte. Die Nachmittage waren ehrlich gesagt stets stinklangweilig. Wenn die grösseren Kinder von der Schule kamen, gab's Mittagessen. Die Kleinen legten sich danach hin zum Schlafen und ich war bei den Hausaufgaben dabei, bzw. sass meistens da und übte Buchstaben schreiben. Bis auf ein paar Stifthilfen, die ich für zwei Kinder gebastelt habe, konnte ich auch mangels Sprache nicht viel beitragen, also entschloss ich mich Ende letzter Woche, dass ich meine Ferien doch gerne auch zum Reisen nutzen und dass ich gerne noch mehr von Panama sehen will, statt die vollen 10 Wochen in Boquete zu sein. Die Arbeit im Waisenhaus war ok, aber drei Wochen genügten mir allemal (statt 5). Organisiert war's schnell und so war dies meine letzte Woche hier.
Diese Woche war jedoch ganz schön anders. Seit ich hier in Boquete bin, hat es nur hin und wieder etwas geregnet, meist Nieselregen, den sie Bajareque nennen. Normalerweise regnet es den ganzen Mai hindurch. Tja, also kein Regen. Mich freut's, die Wasserkraftwerke und somit die Elektrizität weniger. Um Strom zu sparen, verhängte die Regierung am Mittwoch schulfrei und die Geschäfte durften kein Licht anhaben, die Discos nur bis 22 Uhr aufmachen. Dies alles um Strom zu sparen. Das mit dem schulfrei habe ich noch nicht ganz begriffen und es konnte es mir auch keiner erklären. Fakt jedoch war und ist, dass das Waisenhaus den ganzen Tag rappelvoll war. ohhhhhh! Ana kriegt was zu tun. Und da die Lehrerin wie erwähnt in anderen Jobs im Waisenhaus einspringen musste, wurde Tia, Ana wurde kurzerhand zur Kindergärtnerin erklärt. Das hat mir echt Spass gemacht. Da ich nie eingeführt wurde und mir auch nie Jobs oder Aufgaben zugeteilt wurden, ergab sich diese Tatsache aus meiner Frage, was ich denn jetzt tun soll. "Nimm dir ein paar gesunde Kinder"! "Ok! wird gemacht. Ja, und so habe ich die letzten drei Tage nach meinem Gutdünken Dinge mit den Kindern unternommen. Und stellt euch vor, die können still sein und sogar auch aufräumen (wenn sie danach draussen spielen dürfen, sowieso ;)).
So war diese Woche nochmal ganz anders und ich bin froh über dieses Erlebnis. Die Arbeit dort war grundsätzlich schön, wenn auch die Kommunikation nicht ganz einfach war (nicht aufgrund der Sprache, sondern aufgrund des fehlenden Austausches). Ich glaube die Kinder haben es genossen und ich auf jeden Fall auch. Heute hatte ich einen ganz schönen Abschied und morgen gehe ich das letzte Mal in die 'Fundation de Integration'. Diese Organisation funktioniert völlig anders und auch das Gefühl, gebraucht und geschätzt zu werden, kommt deutlich anders rüber. Man muss nur das Gelände betreten und fühlt sich wie in einer grossen Familie. Es ist wirklich eine tolle Sache, die ich von Herzen gern unterstützt habe.
Am Montag geht’s für mich nach Santa Catalina, an die Pazifikküste, ins Surferparadies von Panama. Da bin ich ja gespannt. Ich reise mit 5 anderen Backpakers oder hier ansässige Ausländer, welche sich nach und nach an- und zusammengeschlossen haben. Ich freu mich auf neue Aktivitäten. Alles rund um Boquete kenne ich mittlerweile in- und auswendig :)
Ihr werdet von mir hören :)